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Stefan Fulst-Blei: Die IQB-Studie und was jetzt zu tun ist

Es gilt nichts schönzureden. Die Ergebnisse des IQB-Ländervergleichs sind schlecht für unser Land und können uns nicht zufrieden stellen. Insbesondere für Deutsch müssen wir eine ungünstige Entwicklung feststellen, was die Bereiche Lesen und Zuhören betrifft. Die Gymnasien stehen zwar noch am besten da, aber auch hier haben wir Verschlechterungen im Spitzenbereich.

 

Stefan Fulst-Blei MdL

 

Die Ergebnisse der Studie weisen insbesondere darauf hin, dass Kinder aus sozial schwächeren Familien Probleme haben. Damit sind gerade Kinder mit Migrationshintergrund betroffen. In der Analyse müssen wir berücksichtigen, dass Baden-Württemberg eine deutlich stärkere Zuwanderung auch von außerhalb Deutschland erfahren hat als andere Bundesländer. Was für uns ein Vorteil mit Blick auf die demographische Struktur unserer Gesellschaft ist, bedeutet zugleich eine Herausforderung.

Aber der Reihe nach. Was wurde in der Studie überhaupt untersucht? Im Kern ging es um einen Vergleich der Leistungen von Neuntklässlern. Interessanterweise hat die IQB-Studie im Untersuchungszeitraum 2015 damit genau den letzten Jahrgang des alten dreigliedrigen Schulsystems aus schwarz-gelber Regierungszeit bewertet. Zu Grunde liegt hier der Bildungsplan aus dem Jahr 2004 von der damaligen CDU-Bildungsministerin Annette Schavan. Wir diskutieren hier also auch über eine Bilanz der Schulpolitik von CDU und FDP. Die üblichen Reflexe und billigen Schuldzuweisungen bringen uns nicht weiter. Wir als SPD wollen nicht behaupten, dass wir mit unseren Reformen alle Probleme lösen konnten, aber deren Wirkung wird sich erst in Zukunft zeigen. Denn diese wurden durch die IQB-Studie 2015 gar nicht bewertet. So berücksichtigt die Studie weder Gemeinschaftsschulen, noch die Veränderungen bei der Grundschulempfehlung ab 2012.

Wo liegen also die Ursachen? Folgt man Sabine Leber-Hoischen vom Landeselternbeirat, kam das Ergebnis der Studie alles andere als überraschend, „da es sich um eine Fortschreibung der schlechten Werte für die Grundschule von 2011 handelt." Auf das eher durchschnittliche Ergebnis der IQB-Grundschulstudie 2011 hat auch Hans Anand Pant, Geschäftsführer der deutschen Schulakademie und ehemaliger IQB-Leiter, in der Stuttgarter Zeitung hingewiesen.
Sich ergebende Kritikpunkte aus der Studie mit Blick auf das bestehende System, wie etwa von der Heidelberger Bildungsforscherin Sliwka angeführt, haben wir bereits in der vergangenen Legislatur durch die Reform der Lehrerausbildung berücksichtigt. Kurz umschrieben: mehr pädagogische Kompetenzen in der gymnasialen Ausbildung, mehr Fachwissenschaftlichkeit in Ausbildung an den Pädagogischen Hochschulen. Im Grunde ist das Ergebnis der Studie noch im Nachhinein eine Bestätigung der Notwendigkeit unserer umfassenden Reformen und Investitionen nach 2011. CDU und FDP haben die Probleme zu lange ignoriert.

Wir als SPD hingegen haben uns für massive Investitionen im Kleinkindbereich eingesetzt. Infolge hat Baden-Württemberg hier in Sachen Qualität laut Bertelsmann-Stiftung den größten Sprung gemacht.
Wir als SPD haben die Grundschule gestärkt, in dem weitere Förderstunden für Mathe und Deutsch in der alten Koalition bereitgestellt wurden.
Wir als SPD haben verhindert, dass die Grünen massiv Lehrerstellen streichen.
Wir als SPD haben für mehr Stunden für Realschulen und Gymnasien eingesetzt.
Wir als SPD haben den Ausbau der Ganztagsschule, zunächst in Grundschule und in der Gemeinschaftsschule forciert. 
Infolge hat sich Baden-Württemberg von den hinteren Plätzen systematisch in das Mittelfeld vorgearbeitet. Dabei haben wir immer sehr großen Wert auf Qualitätskriterien wie Rhythmisierung und Verbindlichkeit gelegt. An diesen Qualitätsstandards darf nicht gerüttelt werden! Gerade die Ergebnisse, die wir diskutieren, zeigen, dass gute Ganztagsschule mehr als nur Betreuung ist.

Fazit: Mit den Ergebnissen der IQB-Studie 2015 diskutieren wir über Auswirkungen, die im Wesentlichen auf schwarz-gelben Entscheidungen beruhen. Inwiefern es den roten und grünen Reformen gelungen ist, an dieser Stelle erfolgreich entgegenzuwirken, kann mit den heutigen Ergebnissen noch nicht gesagt werden. Nichtsdestotrotz gehen diese Ergebnisse uns alle etwas an! Und die Leute haben den ewigen Streit satt. Fachlichen Diskussionsbedarf gibt es genug.
Die SPD-Fraktion unterbreitet daher das Angebot an FDP, CDU und Grüne, das Thema "Qualität an allgemeinbildenden Schulen" im Rahmen einer Enquete-Kommission gemeinsam zu bearbeiten. Wir sind bereit, im Sinne des Landeselternbeirates im gemeinsamen Dialog mit allen Beteiligten nach Lösungen zu suchen.